Die Filmmusiken zu DIE GESCHICHTE EINES UNBEKANNTEN SCHAUSPIELERS und DIE KOMMISSARIN
Neben Sinfonien, Solokonzerten, Kammermusiken und Opern komponierte Alfred Schnittke zahlreiche Filmmusiken, die musikalisch so überzeugen, dass sie auch unabhängig von den Filmen hörenswert sind. Um ein rein musikalisches Erleben zu ermöglichen und einen alten Wunsch Schnittkes zu erfüllen, hat Frank Strobel für die Reihe ALFRED SCHNITTKE FILM MUSIC einige der bekanntesten als Suiten aufbereitet und mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin neu eingespielt. Durch die Abwesenheit von ablenkenden Bildern wirkt Schnittkes Musik wesentlich intensiver und differenzierter.
DIE GESCHICHTE EINES UNBEKANNTEN SCHAUSPIELERS
Ein junger Schriftsteller schreibt für einen, kurz vor dem Ende seiner Laufbahn stehenden Schauspieler ein eigens auf ihn zugeschnittenes Stück, bei dem er sein ganzes Können und seine Erfahrungen einbringen kann. Doch dir Rolle wird kurz vor dem Beginn der Proben mit einem jüngeren Schauspieler besetzt.
Schnittkes Musik, die dem Film bedeutende Ausdruckskraft gibt, wurde von Frank Strobel zu einer sechsteiligen Suite arrangiert. Ihr Ausgangspunkt ist das über einem weichen Streicherteppich erklingende, abwechselnd von Flöte, Klarinette und Geigen vorgetragene melancholische und sehr einprägsame Titelthema. In variierter und dynamisch gesteigerter Form ist es auch Kern des sich anschließenden Teils. Der mit „Reise“ betitelte dritte Abschnitt beginnt graziös-verspielt und wechselt abrupt in eine marschartige Episode über. Es folgt ein melancholischer Walzer, der die enttäuschte Hoffnung des Schauspielers versinnbildlicht und dem folgenden fröhlichen Marsch eine ironisch bittere Farbe verleiht. Mit dem Epilog schließt sich der Kreis; die Musik kehrt zum Ausgangspunkt zurück.
DIE KOMMISSARIN
Inmitten des Bürgerkrieges gegen die zaristischen Truppen bringt eine Kommissarin der Roten Armee, die ihre politischen Ansichten zutiefst vertritt, ein Kind zur Welt. Sie wird bei einer armen jüdischen Familie einquartiert, die ihr in diesen schwierigen Zeiten die Werte von Menschenwürde und Lebensglück neu vermittelt und zeigt, dass diese unabhängig von Religion und politischer Meinung existieren. Die Gegenüberstellung von Kaderpolitik und humanistischer Moral und die positive Darstellung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur bilden den Kern dieses Films.
In die Filmmusik zu diesem - 1967/68 von Alexander Askoldow gedrehten - Film fügte Schnittke Teile aus seiner vierten Symphonie ein, die dem Film programmatisch sehr ähnlich ist und seinen Verlauf in Teilen mitbestimmt hat. Schnittkes Musik zu DIE KOMMISSARIN ist weit komplexer und anspruchsvoller als seine diversen anderen Filmmusiken, was nicht bedeutet, dass keine melodischen Themen mit Wiedererkennungswert vorhanden sind. Bereits die Erweiterung der klassischen Orchesterbesetzung um elektrische Orgel, Gitarre, Klavier, Celesta und diverse ungewöhnliche Schlaginstrumente deutet auf eine Erweiterung des Klangspektrums und einen großen Ideenreichtum hin. Wie im Film, so finden sich auch in der Musik jüdische Elemente, die facettenreich dargeboten werden.
Kritik auf www.filmmusikwelt.de
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